Pangainuun

pangai

Auf obiger Fotografie ist u.a. Uechi Kanbun zu sehen. Ganz rechts befindet sich ein Schild, welches unter dem Bild erläutert wird.

Die meisten Schriftzeichen auf dem Schild sind japanische Kanji, also Schriftzeichen, die eine bestimmte Bedeutung haben. So geht aus dem Schild hervor, dass der Lehrer (Kiyoshi) Uechi Kanbun Unterricht im Karate (Jutsu=Kampfkunst) in dieser Trainingshalle (Kenkyusho) erteilt. Ganz rechts unten befindet sich das Kanji “Ryu”, welches mit “Stilrichtung” übersetzt werden kann. Dies bedeutet, dass die Schriftzeichen darüber den Namen der Stilrichtung ergeben. Diese Schriftzeichen sind jedoch keine Kanji wie alle übrigen Schriftzeichen, sondern sogenannte Katakana. Diese Schriftzeichen haben keine wörtliche Bedeutung, sondern sind eine Silbenschrift. Katakana werden häufig dazu benutzt, um fremdsprachige Wörter in die japanische Schrift übertragen zu können. Die Katakana auf dem Schild werden “Pangainuun” ausgesprochen. Die Stilrichtung trägt daher diesen Namen. Die Bedeutung des Worts ergibt sich hieraus jedoch nicht unmittelbar.

Neben diesem Schild existiert mindestens eine weitere Quelle bezüglich der Bezeichnung “Pangainuun”. Im Jahr 1934 erschien im japanischen Journal “Forschungen zur Leeren Hand” ein Aufsatz, in dem ein Treffen mit Uechi Kanbun geschildert wird. Der Autor des Aufsatzes nennt sich “Student Mabuni” und ist möglicherweise Mabuni Kenwa, der spätere Gründer der Karate-Stilrichtung Shito-Ryu. In diesem Aufsatz wird ebenfalls die Stilrichtung “Pangainuun” erwähnt. Sie wird einmal “パンガヰヌーン” (also wie auf obigem Schild) und einmal “パンガヰヌゥン ” geschrieben. Nachdem “ヌ” wie “nu” ausgesprochen wird, “ー” eine Verlängerung des vorhergehenden Vokals (des “u”) bedeutet und “ゥ” ebenfalls “u” ausgesprochen wird, führt die andere Schreibweise nicht zu einer anderen Aussprache. Ein Schreibfehler auf dem Schild ist daher sehr unwahrscheinlich.

Die allermeisten Uechika gehen davon aus, dass Pangainuun “halb hart – halb weich” bedeutet. Dies wird aus einer Ähnlichkeit der Worte “pan” mit “han” (japanisch für “halb”), “gai” mit “kowai” (japanisch für “hart”) und “nuun” mit “nan” (japanisch für “weich”) abgeleitet. Gegen diese Ansicht spricht, dass obiges Schild wohl von einer Person geschrieben wurde, die die japanische Schrift beherrschte. Wenn die oben beschriebene Ähnlichkeit der Worte bestünde, dann hätte die Person sicherlich die Bedeutung der Worte “Pangainuun” verstanden. Dann aber hätte wiederum gar keine Notwendigkeit dafür bestanden, den Namen der Stilrichtung in Katakana zu schreiben. Stattdessen hätte die Person die Kanji “半硬軟” (japanisch für “halb hart und weich”, ausgesprochen wird dies etwa “hankonan”) verwendet. Dagegen spricht auch, dass lange Zeit umstritten bzw. unklar war, was “Pangainuun” bedeuten soll. Die behauptete Ähnlichkeit kann daher nicht bestehen. Da Uechi Kanbun kaum Japanisch, aber fließend eine chinesische Sprache beherrschte, spricht viel dafür, dass “Pangainuun” ein Begriff aus einer chinesischen Sprache ist.

Interessanterweise ist in oben erwähntem Artikel aus dem Jahr 1934 die Frage an Uechi Kanbun enthalten, was denn “Pangainuun” bedeute. Uechi Kanbuns Antwort soll gewesen sein: “außergewöhnlich schnell”. In der heutigen chinesischen Sprache kann “schnell” mit 快 übersetzt werden. Ausgesprochen wird dies in etwa “kuai” oder “kai”. Dies könnte in etwa dem “gai” aus dem Wort “Pangainuun” entsprechen. Dies würde allerdings nicht die Bestandteile “pan” und “nuun” erklären, denn das Wort “außergewöhnlich” kann nicht so übersetzt werden, dass es der Aussprache eines dieser Bestandteile entspricht.

Nachdem das Uechi Ryu Karate verschiedenen Stilrichtungen der chinesischen Minderheit der Hakka ähnelt, könnte das Wort “Pangainuun” auch der Sprache der Hakka entstammen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Ansicht, wonach Pangainuun “halb hart – halb weich” bedeutet, nicht überzeugen kann bzw. nicht hinreichend belegt ist. Eine überzeugendere andere Ansicht existiert jedoch derzeit ebenfalls nicht.